Islamische Gemiende Neugraben e.V.
  Islam
 

 

Was ist Islam?
Zum Autor
Der Islamwissenschaftler Ali-Özgür Özdil, geb. 1969 in Iskenderun, hat 11 Jahre lang mit zahlreichen Besuchergruppen Moscheeführungen organisiert und durchgeführt. Er ist derzeit Vorsitzender des Islamischen Wissenschafts und Bildungsinstitutes. Durch seine Erfahrungen und sein Wissen ist dieses kleine und leicht verständliche Handbuch entstanden.
 
Vorwort
Der Schwiegersohn des Propheten Muhammed und der spätere vierte Kalif Ali ibn Abi Talib soll einmal gesagt haben: "Die Menschen sind Feinde dessen, was sie nicht kennen."
 
Bei jeder Einführung in "den Islam", sollte berücksichtigt werden, wo, für wen und somit, wie eine solche Einführung stattfindet. Denn die Umstände, unter denen die Menschen mit dem Islam in Kontakt treten, können von Zeit zu Zeit und von Land zu Land sehr unterschiedlich sein. Jedes Sachbuch sollte zum Ziel haben, die Menschen aufzuklären, d.h. ihnen ein klares Bild von dem zu vermitteln, was ihnen bisher fremd gewesen ist, wobei das Fremde relativ ist. Vor allem aber sollte ein Sachbuch auch auf die aktuellen Fragen der Leser eingehen.
 
Die ältere Ausgabe von "Was ist Islam?" ist bereits vergriffen und es ist seit dem sehr viel geschehen - sowohl in der Islamischen Welt als auch hier in Deutschland - so dass es nicht nur notwendig ist, eine Neuauflage herauszugeben, sondern auch die Inhalte neu zu gestalten. Denn trotz der steigenden Zahl der Publikationen und Dokumentationen zum Islam, scheint die Angst der Konsumenten vor dem, was sie für Islam halten, nicht abzunehmen, sondern im Gegenteil, sie nimmt zu. Hier soll einerseits auf dieses Phänomen eingegangen werden und andererseits sollen, durch "Aufklärung" der Nichtmuslime über den Islam, Vorurteile und Ängste abgebaut werden.
 
 
Einleitung
Das gesamte Werk besteht eigentlich aus nur einem Hauptkapitel, nämlich dem Kapitel II, das mit "Einführung" überschrieben ist. Schließlich kann hier "der Islam", wie er von nichtIslamischer Seite mit all seinen widersprüchlichen und vielfältigen Erscheinungsformen dargestellt wird, und "der Islam", wie er von Muslimen verstanden wird, nur ansatzweise und auch nur in seinen wichtigsten Aspekten behandelt werden.
 
In dieser Einführung soll einerseits die Komplexität dessen, was unter "Islam" verstanden wird, deutlich gemacht werden, und andererseits soll - durch eine differenzierte Vorgehensweise - ein Hilfsmittel für das bessere Verständnis des Islam, wie ihn Muslime sehen und leben, gegeben werden. Dabei werden für die nicht-muslimischen Leser zuerst fremde Begriffe definiert und dann die verschiedenen Bedeutungsebenen von "Islam" erläutert.
 
Des weiteren soll durch die Arbeit mit einer Islamischen Methode gezeigt werden, dass im Zentrum der Darstellung Gott und Seine Offenbarung (der Koran) stehen, und nicht - wie das bei nicht-muslimischen Autoren der Fall ist - der Prophet Muhammed.
 
Erst nach Klärung grundsätzlicher Fragen, soll am Ende auf die Praxis der Islamischen Pflichtenlehre eingegangen werden.
 
Dies alles, damit die nicht-muslimischen Leser einen besseren Einblick, sowohl in den Geist der Islamische Lehre als auch in das Leben der Muslime hier in Deutschland bekommen. Dieser Einblick sollte zusätzlich durch die Lektüre des Korans vertieft und den Dialog mit Muslimen, z.B. in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz, vor allem aber auch in der Schule und durch einen Besuch in einer Moschee, ergänzt werden. Denn Wissen verleiht uns ein Gefühl der Sicherheit auch mit fremden Phänomenen umzugehen.
 
Es ist ein schwieriges Unterfangen, eine Weltreligion, deren Entstehung bis an den Anfang der Schöpfung zurückgeht(!), in nur einem Buch zusammenzufassen. Und wenn alle Ozeane Tinte wären und alle Bäume Schreibrohre, könnten sie nicht die Geschichte der Schöpfung Gottes niederschreiben (18:109). Gott selbst teilte uns Menschen, die nur einen Teil der Schöpfung ausmachen, im Koran nur soviel mit, dass es reicht, Ihn zu erkennen um Ihm zu dienen (2:255).
 
Die beste Empfehlung an alle Interessierten wäre eigentlich, den Koran, d.h. die Offenbarung Gottes zu lesen und sich ein eigenes Bild zu verschaffen, statt nur aus der Feder und der Perspektive anderer zu lernen, was Islam ist. Schließlich sehen wir die Welt in der wir leben auch mit unseren eigenen Augen. Oder wie soll ein Mensch den Geschmack einer Frucht kennen, ohne sie selbst probiert zu haben?
 
Die Offenbarungseinheiten, die in einem Zeitraum von 23 Jahren dem Propheten Muhammed vom Erzengel Gabriel in Mekka und Medina offenbart wurden und die wir seit der Kalifatszeit des dritten Kalifen Osman (644-656) als Buch vorliegen haben, enthalten Verse, die im arabischen "Ayat" genannt werden. "Ayat" bedeuten "Zeichen". Dabei gilt die gesamte Schöpfung, also auch der Mensch, als ein Zeichen Gottes.
 
Wie einst der Prophet Abraham durch Nachdenken, die Existenz Gottes erkannt hat, hat jeder Mensch, die Möglichkeit, hinter diesen Zeichen seinen Schöpfer und Erhalter zu erkennen. Die Welt in der wir leben, ist auch ein Koran, in der selbst ein Analphabet lesen, lernen und die Existenz Gottes erkennen kann.
 
Das koranische Schöpfungsziel lautet: "Ich habe die Menschen und die Djinn erschaffen, nur damit sie Mir dienen" (51:56). Der Prophetengefährte Ibn Abbas deutete diesen Vers mit: "...nur damit sie Mich erkennen". Dem einen Gott allein zu dienen und Ihm keine anderen Götter beizugesellen, ist die zentrale Botschaft des Korans. Im Zentrum der koranischen Botschaft steht also die Gotteserkenntnis, und dies ist die höchstmögliche Stufe der menschlichen Vollkommenheit.
 
 
Allgemeines zu Einführungen in den Islam
Die deutschsprachige Literatur zum Islam ist heute unüberschaubar. Aus dieser Fülle von Informationsmaterialien gilt es, "die Informationen" zu beziehen, die für ein gutes Verständnis des Islam "hier und heute" nützlich sind. Was die Themen anbetrifft, trifft man auf folgende Methode, die typisch ist für das christlich geprägte Abendland:
 
Es wird immer mit der Biographie des Propheten Muhammed begonnen. Auch wenn der respektvolle Umgang mit seiner Lebensgeschichte die Ausnahme ist, kann man von märchenhaften Darstellungen bis hin zu hoch wissenschaftlichen Büchern, alles finden. Er gilt in den Darstellungen nicht-muslimischer Autoren als der "Stifter" des Islam und steht somit im Mittelpunkt.
 
 
Wir sind keine "Mohammedaner"
Es wird noch von manchen Nichtmuslimen, aber auch von manchen Muslimen in der Bundesrepublik, der Begriff "Mohammedaner" benutz. Dieser Begriff ist eine vom Namen des Propheten Muhammed abgeleitete Bezeichnung für Muslime, die sich im 19. Jh. durchgesetzt und viele volksetymologische Bildungen wie "Muselman(n)" (engl. "Musselman", auf französisch und spanisch "Musulman" und auf italienisch "Musulmano"), das aus der persischen Form "Moselman" entlehnt worden war, verdrängt hat. Die missverstandene Endung (-man) führte zum deutschen Plural "Muselmanne" oder "Muselmänner" und im Englischen zu "Musselmen". Bis zum 18. Jh. waren auch die selteneren Formen - besonders in der theologischen Literatur - wie z.B. "Machomedist", "Muhammadist" oder "Alcoranist" gebräuchlich.
 
Von Muslimen werden alle diese europäischen Begriffe abgelehnt. Vor allem aus dem Grund, weil wir nicht Anhänger Muhammads sind, sondern des Islam, wobei Muhammed nicht der erste oder einzige Prophet ist, an den wir glauben. Er ist also nicht der Begründer des Islam, sondern sein Vollender. Dazu jedoch unten mehr.
 
 
Die Wichtigkeit der Definition von Begriffen
Bestimmte Begriffe entstehen zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort und können nicht ohne weiteres in andere Kulturräume transportiert werden. Dies betrifft nicht nur den Begriff "Mohammedaner".
 
An einem anderen Beispiel soll gezeigt werden, dass bekannte Begriffe allein nicht zum Verständnis dieser führen, denn oft übernehmen Menschen die Hülle, aber nicht den Inhalt dessen, was sie beobachten:
 
"Laut muslimischer Überzeugung ist der "Islam" eine "Offenbarungsreligion", die auf "Gott" (arab. Allah) zurückgeht und nicht auf den "Propheten Muhammed"".
 
Wie deutlich diese Aussage auch sein mag, so stecken in ihr mehrere Fragen, die es zu beantworten gilt. Diese Aussage beschreibt auch zugleich die Vorgehensweise, d.h. die Methode, nach der eine Einführung in den Islam, geschehen sollte. Diese Einführung beginnt nicht mit Muhammed, sondern mit "Islam", denn der Islam erkennt alle anderen Propheten der Menschheitsgeschichte, wie Abraham, Moses und Jesus auch an . Hier mit Muhammed zu beginnen, würde das, was wir Muslime mit Islam meinen, zu sehr einschränken.
 
Erst sollte geklärt werden, was "Islam" ist. "Der Islam ist eine Offenbarungsreligion", sagt wenig über seinen Inhalt aus. Was wiederum ist "Religion" im Islamischen Sinne? Erst nach Klärung dieser beiden zentralen Fragen, kann man sich dem wichtigsten Teil überhaupt zuwenden, nämlich "Allah". Denn ohne Gott wäre der Islam als Offenbarungsreligion nicht denkbar. Unmittelbar damit hängt der Tauhid-Gedanke zusammen. Tauhid, "die Einheit Gottes", d.h. der Monotheismus ist das zentrale Thema im Islam. Gott ist die Ursache, Gott ist das Ziel! Denn fragt man einen monotheistischen Gläubigen, woher alles kommt, dann wird er/sie unweigerlich alles auf Gott zurückführen. Und fragt man andersherum, wohin alles geht, wird er/sie wieder zum gleichen Ergebnis gelangen.
 
Danach sollte "die Offenbarung ", d.h. der Koran erläutert werden, um dann erst auf den Propheten Muhammed und die anderen Propheten zu sprechen zu kommen, die im Laufe der Zeit Offenbarungen von Gott erhalten haben.
 
Alle anderen Themen wie "die Islamische Theologie (Kalam)", "die Islamische Rechtswissenschaft (Fiqh)", "die Mystik (Tasawwuf/Irfan)" usw. können als die Äste des Baumes "Islam" betrachtet werden, wobei Unterthemen wie "Djihad", "die Frau im Islam" usw. als deren "Früchte" gesehen werden können, um es bildlich zu deuten.
 
Was aber haben die nicht-muslimischen Betrachter, die ihn (den Islam) nur von außen sehen, von ihm kennen gelernt? Viele haben sich bisher nur (oberflächlich) mit seinen "Früchten" auseinandergesetzt und diese auch nur als schlecht (verdorben) empfunden. Nur wenige haben den Zugang zu seinen Wurzel gewagt und sie auch erreicht, wobei dafür bestimmte Hilfsmittel nötig sind. Dabei weiß doch jeder, der sich mit Wissenschaften auseinandersetzt, dass eine Einführung in die Grundlagen einer Wissenschaft, eine wichtige Voraussetzung für das spätere Studium dieser ist. Genau aus diesem Grunde müssen die Unterthemen erst einmal ausgegrenzt werden, um zuallererst über die Wurzel (Gott und die Offenbarung) und den Stammbaum (der Islam und die Gottesgesandten) zu sprechen. Die Hauptthemen der Islamischen Geistesgeschichte müssen wegen ihres Umfanges und ihrer Komplexität ebenfalls ausgegrenzt werden.
 
Uns bleibt also nur ein bestimmter Teil von dem, was wir "Islam" nennen, um einen kurzen Einblick zu ihm zu wagen. Dabei ist - wie bereits erwähnt - die Definition von Begriffen, die im Lichte einer bestimmten Zeit und Kultur entstanden sind, sehr wichtig. Täte man dies nicht, würden die Islamischen Begriffe bei vielen zu falschen Assoziationen führen, denn Sprache und Denken hängen unmittelbar miteinander zusammen, und die Menschen werden nun einmal von dem geprägt, was in ihrem Kulturraum auf sie wirkt.
 
 
Der Begriff "Din" für Religion
Das arabische Wort Din ("Religion") ist verwandt mit dem Wort dain ("schulden", gebildet aus der Wortwurzel daana). Din bezeichnet sinngemäß das, was der Mensch Gott, sich selbst und der Schöpfung insgesamt schuldet. Nach Islamischer Ansicht ist damit eine ethisch verantwortete Lebensweise gemeint, die alle Lebensäußerungen umfasst und auf dem Hintergrund der Beziehungen des Menschen ordnet, nämlich zu seinem Schöpfer, sich selbst, seinen Mitmenschen, den Geschöpfen und zur Schöpfung insgesamt. Din ist somit ein System gegenseitiger Verpflichtungen, sowohl zwischen Mensch und Gott, näher bezeichnet als Bund Gottes mit den Menschen (mit bestimmten prophetischen Persönlichkeiten oder mit einzelnen Völkern), und auch zwischen den Menschen untereinander, wodurch "Medina" (Gemeinschaft, Zivilisation, Staat) entsteht, als auch zwischen dem Menschen und anderen Geschöpfen, ausgedrückt in der Bezeichnung "Statthalter Gottes ".
 
Die Pflege dieser Beziehungen und die Wahrung der damit verbundenen Rechte und Pflichten ist die Verwirklichung des religiös-ethischen Lebensprinzips (iqamatu ´d-Din). Am "Tag des Gerichts" (yaumu ´d-Din) werden die aus dem Gleichgewicht geratenen Beziehungen wiederhergestellt und die ethischen Werte und Ziele voll verwirklicht.
 
 
Der Begriff "Islam"
Islam (Gottergebenheit ) ist jene Haltung, die Din erfüllt in der Hingabe an Gott. Abgeleitet ist das Wort vom IV. Stamm der arabischen Wortwurzel s-l-m, was "heil, unversehrt, ganz, vollständig, sicher, frei sein" bedeutet. Islam im Sinne einer Weltreligion ist nur eine, und nicht grundlegende Bedeutung des Wortes. Auch, das alle Dinge den Naturgesetzen Gottes gehorchen, kann als Islam bezeichnet werden, bis hin zu jeder Handlung, die Gott gefällt. Nach Aussage des Koran hat der Prophet Muhammed keine neuartige Religion gebracht , sondern vielmehr die Urreligion der Menschheit wiederbelebt . Adam wird dabei als erster in der Reihe der Propheten gesehen.
 
Wörter wie Salam ("Unversehrtheit, Friede, Sicherheit") und Muslim ("der sich Gott Hingebende, Dienende") sind mit dem Wort Islam verwandt, da sie aus der gleichen Wortwurzel gebildet werden.
 
An dieser Stelle sei - um eine bessere Differenzierung dessen, was durch die Medien häufig mit Islam in Verbindung gebracht wird, zu ermöglichen - eine genaue Definition von "Islam" geliefert. So können - sowohl von Nichtmuslimen, als auch von Muslimen - komplexe Themen und Phänomene, den Bereichen, in die sie hingehören, einfacher zugeordnet werden. So wird auch besser deutlich, warum Muslime und Nichtmuslime häufig, obwohl sie über das gleiche reden, aneinander vorbeireden. Denn häufig findet die Diskussion auf unterschiedlichen Ebenen statt: Der eine redet über das, was im Koran steht, der andere hat als Maßstab für seine Beurteilung des Islam, den realen Zustand in den sogenannten Islamischen Ländern vor Augen.
 
 
Fünf Bedeutungsebenen von Islam
Es ist in der Tat sehr schwierig, alles was mit Islam in Verbindung gebracht wird, differenziert zu betrachten und richtig einzuordnen. Seien es irgendwelche Traditionen, wie z.B. die Beschneidung der Mädchen, Kriege oder Terrorakte; sobald sie in den sogenannten Islamischen Ländern geschehen, werden sie als "typisch" Islamisch dargestellt. Dass diese Vorgehensweise falsch ist, wird weiter unten deutlich werden. Hier soll nun ein Hilfsmittel für eine Differenzierung verschiedener Phänomene geliefert werden.
 
 
Die lexikalische Bedeutung
Islam bedeutet - wie bereist geklärt - "Gottergebenheit". So ist z.B. am Eingang über der Tür der Zentrumsmoschee in Hamburg der Koranvers: "inna d-Dina ainda Allahi l-Islam " in arabisch, deutsch, türkisch und englisch mit "Wahrlich, die Religion bei Gott ist die Gottergebenheit" richtig übersetzt worden.
 
Ein weiterer Koranvers könnte ebenfalls als Beispiel dienen: Sprich: "Wir glauben an Gott und an das, was auf uns herabgesandt worden ist und was herabgesandt wurde zu Abraham und Ismael und Isaak und Jakob und den Nachfahren, und was gegeben wurde Moses und Jesus und (anderen) Propheten vom ihrem Herrn. Wir machen keinen Unterschied zwischen ihnen, und Ihm ergeben wir uns (= muslimun). Und wer eine andere Glaubenslehre als die Gottergebenheit (= Islam) begehrt, nimmer soll sie von ihm angenommen werden, und im zukünftigen Leben soll er unter den Verlierenden sein." (3:85-86).
 
In Anbetracht der Tatsache, dass nach Islamischer Auffassung Tauhid das wichtigste Glaubensprinzip ist, so dass von der Einheit Gottes, der Einheit der Menschheit und von der Einheit in der Schöpfung die Rede ist, gewinnt "Islam" eine Bedeutung, die mehr als die Einheit der "gottergebenen" Menschen darstellt. Alles was existiert (also auch ein Baum, ein Regentropfen, der Wind usw.), praktiziert den Islam, solange es seiner Bestimmung, d.h. dem Plan Gottes folgt, was wir ohne weiteres als die von Gott eingesetzten "Naturgesetze" bezeichnen können. Selbst Sonne und Mond praktizieren Islam. Somit ist jeder natürliche Prozess (z.B. Tag und Nacht) und jede natürliche Handlung = Islam.
 
Der pakistanische Gelehrte Maududi schreibt in seinem Werk "Weltanschauung und Leben im Islam" zu der Frage "Was ist Islam?" unter anderem: "Sogar ein Mensch, der sich weigert, an Gott zu glauben, oder ein Idol anbetet, muss gezwungenermaßen ein "Muslim" sein, soweit es seine körperliche Existenz betrifft. Denn während seines gesamten Lebens, vom Stadium als Embryo bis zur körperlichen Auflösung nach dem Tod, folgt jede Zelle seiner Muskeln und jedes Glied seines Körpers den für sie vorgeschriebenen Gesetzen Gottes. Selbst seine Zunge, die aufgrund seiner Unwissenheit Gott verneint oder eine Vielzahl von Gottheiten preist, ist ihrer eigensten Natur nach ein Muslim" .
 
 
"Islam" als Urreligion
Die zweite hier vorgestellte Bedeutungsebene von "Islam" bezieht sich auf das Wesen und den Kern jeder Religion.
 
In der Religionswissenschaft, aber auch in der Religionsethnologie wird die Frage gestellt, ob die Menschheit ursprünglich polytheistisch oder monotheistisch gewesen ist. Aus Islamischer Sicht ist es etwas völlig natürliches, dass es Gemeinsamkeiten zwischen den menschlichen Kulturen und Religionen gibt, denn laut Koran wurden zu allen Völkern zu verschiedenen Zeiten Gesandte Gottes geschickt mit der Botschaft Gottes in der jeweiligen Sprache des Volkes , und jedem Volke wurden je eigene Andachtsübungen aufgetragen
 
Ein weiterer Aspekt, der in diesem Zusammenhang erwähnt werden muss, ist die Tatsache, das aus Islamischer Sicht jeder Mensch mit der fitra, d.h. der "natürlichen Veranlagung" der Gottergebenheit geboren wird. Somit sind alle Kinder von Geburt an "Muslime".
 
"Islam" bekommt hier also eine umfassendere Bedeutung, da Gott kein Volk ohne Rechtleitung gelassen hat. Wie im oben zitierten Vers 3:85 zu lesen ist, glauben die Muslime (Gottergebene) auch an das, was den anderen Propheten von dem einen Gott gegeben wurde. Somit sind auch die anderen Propheten, z.B. Adam, Noah, Abraham, Moses und Jesus , nach Islamischem Selbstverständnis Muslime (Gottergebene), und das, was sie verkündet haben, ist nichts anderes als Islam (Gottergebenheit). Jesus z.B. spricht in Sure 3:52: "Wer sind meine Helfer zu Gott (man ansari ila Allah)? Die Jünger sagten: Wir sind die Helfer Gottes (nahnu ansar Allah). Wir glauben an ihn. Bezeuge, dass wir (ihm) ergeben sind (waschhad bianna muslimun)" (vgl. auch 61:14).
 
Aber nicht nur der Glaube an alle Propheten und Offenbarungen bildet eine gemeinsame Grundlage, sondern auch religiöse Praktiken wie beten und fasten, sind allen Religionen gemein. Somit ist es möglich, sogar mit Menschen, die sich als Atheisten bezeichnen, Gemeinsamkeiten zu finden, da es keine Kultur ohne Religion gibt und alle Menschen gewissen ethischen Grundlagen folgen, die auf den "Urbund " mit Gott zurückzuführen sind. Schließlich wollen alle Menschen, ob sie an den einen Gott glauben oder nicht, in Frieden und in Freiheit leben. Nicht ohne Grund ist der Begriff "Islam" für viele Muslime auch identisch mit dem Begriff Silm (Frieden), der aus der gleichen Wortwurzel s-l-m gebildet wird.
 
 
"Islam" als letzte Offenbarung Gottes an den Propheten Muhammed
Diese Kategorie zeichnet sich dadurch aus, dass nach dem Propheten Muhammed keine Gesandten mehr kommen werden und die Offenbarung Gottes ihr endgültiges Stadium erreicht hat. In dieser Kategorie befinden sich alle religiösen Praktiken, die sich von den Praktiken anderer Religionsgemeinschaften unterschieden, wie z.B. das fünfmalige Gebet am Tag, die Zakat (soziale Pflichtabgabe), das Fasten im Ramadan, die Pilgerfahrt nach Mekka usw., die alle ihre speziellen Bestimmungen und Formen haben.
 
Wenn Muslime von "dem Islam" reden, meinen sie meist diese Kategorie, denn hier werden nur jene Elemente als verbindlich anerkannt, über die es in allen Islamischen Gesellschaften einen Konsens gibt. Es sind jene religiösen Elemente, über die es sichere schriftliche Quellen gibt, die dem Koran nicht widersprechen und die in ihrer Mehrheit offenkundig, klar und gut verständlich sind und somit als Grundlage des Islamischen Glaubens dienen können (siehe näheres dazu, weiter unten unter 7. und 8.).
 
Als erste und wichtigste Quelle kommt der Koran, dessen Überlieferung und schriftliche Zusammenstellung als unverfälscht gilt, das mit dem arabischen Begriff "mutawatir" bezeichnet wird. Das bedeutet, dass der Koran seit seiner Offenbarung an den Propheten Muhammed keine Veränderung durchgemacht hat und dass sein Text von unzähligen Gefährten des Propheten, genauso wie er uns heute vorliegt, auswendig gelernt, niedergeschrieben und auf verschiedenen Wegen überliefert worden ist. Darüber sind sich selbst nicht-muslimische Orientalisten einig, zumal mehrere Funde belegen, dass diese mit unserem heutigen Koran identisch sind. Der einzige Unterschied liegt darin, dass für nicht-muslimische Orientalisten, der Koran keine göttliche Offenbarung ist, sondern die Worte eines Genies namens Muhammed (siehe näheres zum Koran, unten unter 5.).
 
Die nächste Quelle wäre die Sunna des Propheten, die aus den verschiedenen Hadithsammlungen (Überlieferungen) gewonnen wird.
 
Der Begriff "Sunna" wird im Koran ausschließlich für das "Verfahren" bzw. "Vorgehen Gottes" benutzt . Dieser Begriff ist vorkoranischen Ursprungs, so dass schon die heidnischen Araber (arab. muschrikun) von ihm gebraucht machten, in dem sie den Gewohnheiten ihrer Vorfahren folgten, ohne diese zu hinterfragen. Der Koran aber lehnt diesen heidnischen Brauch ab: "Und wenn man zu ihnen sagt, sie sollen dem folgen, was Gott herabgesandt hat, sagen sie: "Nein, wir folgen dem, was wir als Glauben und Brauch unserer Väter überkommen haben"." (2:170 f.) Vielmehr verlangt der Koran: "Ihr Gläubigen! Fürchtet Gott und sagt, was recht ist, dann läst er euch eure Werke gedeihen und vergibt euch eure Schuld! Wer Gott und seinem Gesandten gehorcht, dem ist großes Glück zuteil geworden." (33:71)
 
Gott ruft die Menschen auf, sowohl seiner Offenbarung zu folgen, als auch seinem Gesandten:
 
- Sprich: Wenn ihr Gott liebt, so folgt mir. Lieben wird euch Gott und euch eure Sünden vergeben; denn Gott ist vergebend, barmherzig. Sprich: Gehorcht Gott und dem Gesandten..." (3:30 f.).
 
- "Jene, die dem Gesandten folgen, dem des Lesens und Schreibens unkundigen Propheten, dessen Eigenschaften sie bei sich erwähnt finden, in der Thora und im Evangelium . Er gebietet das Rechte und verwehrt ihnen das Unrecht, und er erlaubt ihnen das Gute und verbietet ihnen das Schlechte..." (7:157 f.).
 
- "Sprich: Oh ihr Menschen. Ich bin wahrlich der Gesandte Gottes für euch alle..." (7:158 f.).
 
- "Wahrlich, ihr habt an dem Gesandten Gottes ein schönes Vorbild für jeden, der auf Gott und den Jüngsten Tag hofft und Gott häufig gedenkt." (33:21).
 
- "...Und was euch der Gesandte gibt, das nehmt an; und was er euch untersagt, dessen enthaltet euch..." (59:7).
 
Die Sunna, d.h. die Lebenspraxis des Propheten, lässt sich in zwei Kategorien einordnen. Die eine Kategorie lässt sich unterteilen in persönliche, kulturelle und normative Sunna. Die andere lässt sich unterteilen in das, was der Prophet gesagt, getan und gebilligt hat.
 
a) Zur Verdeutlichung der persönlichen Sunna des Propheten können Beispiele dienen wie, dass der Prophet Datteln mochte oder das er kein Knoblauch oder keine Zwiebeln aß. Wer der persönlichen Sunna des Propheten folgen möchte, darf dies ohne weiteres tun. Nur darf die persönliche Sunna nicht verallgemeinert und zur Norm erklärt werden.
 
b) Zur kulturellen Sunna gehören alle die Dinge, die für den Lebensraum der damaligen Muslime auf der arabischen Halbinsel typisch waren, wie z.B. mit der Hand zu essen. Auch das Befolgen dieser kulturellen Sunna ist jedem frei gestellt, darf aber ebenfalls nicht verallgemeinert werden. Auf der anderen Seite sei darauf hingewiesen, das bestimmte Kulturelemente durchaus auch ihre Daseinsberechtigung haben, solange ihr Sinn nachvollzogen werden kann. Das Essen mit der rechten Hand macht nämlich nur dann einen Sinn, wenn vor und nach dem Essen die Hände gewaschen werden und die Reinigung nach dem Stuhlgang mit Wasser immer mit der linken Hand vorgenommen wird. Diese Gewohnheit hat also einen bestimmten Grund und Sinn.
 
c) Die normative Sunna dagegen ist eine Ausnahme. Sie sollte von allen Muslimen befolgt werden. Dass der Prophet z.B. arabisch sprach und der Gebetsruf auf arabisch war, soll die Muslime nicht dazu veranlassen, dies auf den arabischen Kulturraum zu beschränken, sondern ist eine Sunna, die sich über Raum und Zeit hinwegsetzt und somit überall wo Muslime sind, zur Praxis gehört.
 
In der Befolgung der Sunna des Propheten sehen die Muslime besonders den Sinn, dass er als Gesandter Gottes, der den Koran empfangen hat, Gott am besten gedient und somit eine besondere Vorbildfunktion hat.
 
Eine weitere Besonderheit der Sunna ist, dass es viele Situationen gab, wo der Prophet die Offenbarungen erläutern oder ergänzen musste. Z.B. in Bezug auf das Gebet: Der Koran gibt keine direkten Anweisungen wann, wie oft und wie gebetet werden soll. In einer Überlieferung heißt es dagegen: "Betet so, wie ihr mich beten gesehen habt" . Ein anderes Beispiel sind die Anweisungen des Propheten zur Zakat (soziale Pflichtabgabe), zu ihrer Höhe und über die Besitztümer, auf die Zakat fällt.
 
Was nun den Begriff "Hadith" angeht, was "Erzählung, Bericht" bedeutet, so wird dieser häufig als Synonym für Sunna benutzt. Einerseits wird eine bestimmte Überlieferung als Hadith bezeichnet, andererseits die Gesamtheit der Traditionen, die auf den Propheten zurückgeführt werden.
 
Wo anfangs die Traditionen noch mündlich überliefert wurden, hat es ab dem 8. Jh. umfangreiche Niederschriften des gesammelten Materials gegeben:
 
Die Muwatta des Malik ibn Anas (gest. 795) ist das älteste Rechtskompendium, das uns erhalten ist, was gesammelte Hadithe enthält. Das Werk ist im musannaf Form aufgebaut (d.h. geordnet nach Themen). Dann folgt das Werk von Ahmad ibn Hanbal (gest. 857), welches das älteste und berühmteste musnad Werk ist (geordnet nach Überlieferern).
 
Die berühmtesten sunnitischen Werke sind die Sahihaan, von al-Bukhari (gest. 870) und Muslim (gest. 874), dann folgen die Sunan Werke von Ibn Madjah (gest. 866), Abu Davud (gest. 888), at-Tirmizi (gest. 892), an-Nasai (gest. 915), ad-Darimi (gest. 868) und ad-Daraqutni (gest. 997).
 
Die berühmtesten schiitischen Hadithsammlungen sind von al-Kulaini (gest. 941), as-Sudduq (gest. 991) und at-Tusi (gest. 1067).
 
Im Hadith gibt es verschiedene Kategorien, nach der die Richtigkeit einer Überlieferung eingeschätzt wird, wobei eine Überlieferung zwei Teile hat:
 
a) Inhalt (arab. matn)
 
b) Überliefererkette (arab. isnad)
 
a) Eine Überlieferung gilt als "echt" bzw. "gesund" (arab. Sahih), wenn man gegen die Überliefererkette keine Bedenken hat und der Inhalt folgende Kriterien der Textkritik erfüllt:
 
1. Es darf nicht dem Koran widersprechen;
2. Es darf nicht der Vernunft widersprechen;
3. Es darf nicht den Erfahrungen widersprechen;
4. Es darf nicht den Tatsachen widersprechen;
5. Es darf keine unsinnigen Aussagen enthalten, welche man vom Propheten nicht annimmt;
6. Es darf keiner anderen gut belegten Überlieferung widersprechen;
7. Es darf keine unanständigen Reden enthalten.
 
Eine Kategorie darunter befindet sich eine Überlieferung, die als "gut" oder "schön" (arab. Hasan) bezeichnet wird, in deren Überlieferungskette und/oder Inhalt man aber geringfügige Schwächen vermutet.
 
Als "schwache" Überlieferungen (arab. daif) werden jene bezeichnet, wo man an der Überliefererkette und/oder Inhalt starke Bedenken hat.
 
Außerdem gibt es noch eine Menge von Überlieferungen, die man ablehnt, weil sie als "Fälschung" (arab. maudu) entlarvt wurden.
 
b) Was die Überlieferungskette anbetrifft, sind folgende Kriterien zu befolgen:
1. Sicher ist eine Überlieferung, wenn sie von mehreren Seiten her überliefert wurde (arab. mutawatir) und die letzte Person in der Überlieferung (der Informant) Kontakt zum Propheten hatte. Nur diese Texte dürfen als Grundlage für die Islamische Glaubenslehre (arab. aqida) verwendet werden.
2. Sicher ist eine Überlieferung, wenn sie auf mindestens drei verschiedenen Wegen überliefert wurde (arab. maschhur).
3. In die nächste Kategorie gehört eine Überlieferung, die von mindestens zwei verschiedenen Überlieferungswegen vermittelt wurde (arab. aziz).
4. In die unterste Kategorie gehört eine Überlieferung, die von nur einer Quelle stammt (arab. ahad).
5. Eine weitere Kategorie ist eine Überlieferung, die nicht bei einem Prophetengefährten endet, sondern in einer der Nachfolgegenerationen und/oder deren Inhalt Zweifelhaftes enthält (arab. garib).
 
Es geht in dieser Bedeutungsebene von "Islam" - auch wenn hier nur einige Merkmale der Islamischen Lehre genannt wurden - nicht um äußere Erscheinungen (Muslime beten zwar auch, aber doch anders als Christen), mit denen sich "der Islam" definiert. Viel wichtiger ist es den Dingen auf den Grund zu gehen und über ihren Sinn nachzudenken. Deswegen sind in dieser Bedeutungsebene von Islam besonders die Primärquellen Koran und Sunna näher erläutert worden.
 
Wir können nämlich erst dann sagen, dass wir dieses oder jenes verstanden haben, wenn wir den Sinn dessen nachvollziehen können. Es genügt nicht zu sagen: "Ich weiß, dass Muslime fünfmal täglich beten". Viel wichtiger ist es zu wissen, warum und was Muslime beten.
 
 
Islam als historische und kulturelle Größe
Wir beobachten heute eine kulturelle Vielfalt unter den Muslimen, die durch historische Entwicklungen und vorIslamische Traditionen beeinflusst ist. Die ersten Muslime sind bereits im 7. Jh. aus der arabischen Halbinsel heraus in nicht-Islamische Länder gegangen. Dabei wurden sie von verschiedenen Motiven angetrieben. Die einen reisten, um den Islam zu verkünden, andere reisten für Handelszwecke und wieder andere - dem Ausspruch des Propheten folgend, nach Wissen zu suchen, selbst wenn es in China wäre - um Wissen zu erwerben.
 
Der Islam ist nach Afrika und Asien hauptsächlich über die sogenannten Wanderprediger (Mystiker) und Händler gelangt. Eine Ausbreitung des Islamischen Glaubens durch Kriege hat es nie gegeben. Die kriegerische Ausbreitung des politischen Machtbereichs hatte niemals die "Bekehrung" anderer zum Ziel. So haben die Muslime in vielen Ländern, in denen sie herrschten, über mehrere Jahrhunderte hinweg, als Minderheit gelebt. Die Geschichte Andalusiens ist ein Zeugnis Islamischer Toleranz gegenüber Juden und Christen, die in der Menschheitsgeschichte, bis heute, seinesgleichen sucht.
 
Häufig werden von Nichtmuslimen, historische Vorfälle oder kulturspezifische Eigenarten eher mit "Islam" in Verbindung gebracht, als die Lehre an sich, da diese den meisten fremd ist. Allein in der Bundesrepublik Deutschland leben heute mehr als drei Millionen Muslime aus insgesamt 42 verschiedenen Ländern. Diese Muslime brachten nicht nur unterschiedliche Essgewohnheiten mit, sie haben auch verschiedene Sprachen und Traditionen mitgebracht. Trotz der nationalen und kulturellen Unterschiede begreifen sich aber alle als Muslime. Den Islam in der Bundesrepublik nun an den unterschiedlichen muslimischen Gesellschaften zu messen, ist in der Tat ein schwieriges, wenn nicht unmögliches Unterfangen. Viel einfacher und auch viel wichtiger ist es, diese Vielfalt unter den Muslimen, an der Islamischen Lehre zu messen, die sich vor allem nach Koran und Sunna zu richten hat.
 
Es darf und kann nicht alles, was z.B. aus der Türkei kommt, als "Islam" bezeichnet werden. Genauso wenig wäre es richtig, alles was aus den USA oder aus Russland kommt, als "Christentum" zu bezeichnen.
 
 
Der "Islam" als Projektion
Bekannte und vor allem aktuelle Themen wie z.B. der "Heilige Krieg", "Fundamentalismus" und die "Frauenfrage" werden häufig in einem Atemzug mit dem Islam genannt. Für viele Menschen sind diese am interessantesten, weil sich ihr Wissen meist nur auf sie beschränkt, wobei hier nicht von einem wissenschaftlich fundiertem Wissen die Rede sein kann, sondern eher von unreflektierten quantitativen Informationen. Außerdem sind diese genannten Phänomene Produkte der eigenen europäischen Kultur und somit nichts unbekanntes:
 
a) Heiliger Krieg
b) Fundamentalismus
c) Die Frau im Islam
 
a) Heiliger Krieg
Der Heilige Krieg ist ein aus der christlichen Geschichte stammender Begriff und ist dem Islam fremd. Kein Krieg kann heilig sein! Auf arabisch würde man zu so einem Krieg Harb Qudsi sagen, wobei dieser Begriff keine Verwandtschaft mit dem Begriff Djihad hat.
 
Der Begriff Djihad - im Koran häufig in Verbindung mit ...fi sabil Allah (...auf dem Wege Gottes) vorkommend - hat in seiner Wortwurzel die Bedeutung von "sich bemühen, sich anstrengen, streben, kämpfen" und wird im Deutschen oft falsch als "Heiliger Krieg" wiedergegeben. Diese falsche Bezeichnung basiert auf dem europäischen Verständnis von Djihad , wobei Djihad im Islamrechtlichen Sinne kein räumlich und/oder zeitlich begrenztes kriegerisches Unternehmen im Namen des Islam (auf staatlicher Ebene) bezeichnet, so wie es im Christentum in der Zeit der Kreuzzüge der Fall war. Es gibt auch keine Djihade im Plural, wie "Heilige Kriege", da das Wort keinen Plural kennt.
 
Die Formulierung persönlicher "Einsatz" oder "Kampf", und zwar "für die Sache Gottes" oder "Mühe aufwenden auf dem Wege Gottes mit personellen und materiellen Opfern" trifft eher zu, wobei auch die Pilgerfahrt und das rituelle Gebet als Djihad gelten. Außerdem ist bei dem Begriff auffällig, dass er etwas bezeichnet, was "für" und nicht "gegen" etwas gerichtet ist. Deswegen ist "Heiliger Krieg gegen Ungläubige" eine völlig falsche Übersetzung.
 
b) Fundamentalismus
Auch der "Fundamentalismus" ist ein aus dem christlichen Kulturkreis stammender Begriff . Dieser wird heute häufig mit einem Atemzug mit Islam genannt, ist der Islamischen Lehre jedoch fremd. Ein Synonym dazu ist der "Islamismus", wobei besonders muslimische Intellektuelle, die "den Westen" kritisieren, als "Islamisten" bezeichnet werden. Unter diese beiden Begriffe werden all jene zusammengefasst, die auf irgendeine Art und Weise, allen unIslamischen Einflüssen gegenüber Kritisch gegenüberstehen. Aber auch Muslime, die einfach nur ihre religiösen Pflichten wie beten und fasten befolgen, werden nicht selten als Fundamentalisten bezeichnet.
 
Da jedoch auch dieser Begriff zu falschen Assoziationen führen kann, sollten Muslime die Identifikation damit vermeiden.
 
Der Islam lehnt jede Form des Extremismus ab und lässt "Gewalt" nur als Mittel der Verteidigung zu. Selbst in Extremfällen, wie z.B. Kriegen, gibt es im Koran und in der Sunna Vorschriften, "das Maß nicht zu überschreiten ". Eines der wichtigsten Ziele menschlichen Handelns sollte die Herstellung von Frieden sein. Wir lesen im Koran: "Und wenn sie sich dem Frieden zuneigen, dann neige auch du dich ihm zu, und lass vom Kampf (gegen sie) ab!" (8:61).
 
c) Die Frau im Islam
"Die Frau im Islam" ist eines der begehrtesten Themen, über die in nicht-Islamischen Kreisen diskutiert wird, wobei davon ausgegangen wird, dass "der Islam" die Frau unterdrücke und dem Mann mehr Rechte gebe, als der Frau. Muslime weisen dieses aus dem Mittelalter stammende Vorurteil zurück . Vielmehr sind Mann und Frau vor Gott, sowohl in religiöser als auch in geistiger Hinsicht gleichwertig. Rechte und Pflichten von Mann und Frau sind im Koran geoffenbart: "Und die gläubigen Männer und Frauen sind untereinander Freunde. Sie gebieten, was recht ist und verbieten, was verwerflich ist, verrichten das Gebet, geben die Zakat und gehorchen Gott und seinem Gesandten. Ihrer wird sich Gott erbarmen...". (9:71)
 
Eine Benachteiligung von Mädchen bzw. Frauen würde der Gerechtigkeit Gottes widersprechen. Männer und Frauen ergänzen sich in ihrer gemeinsamen Verantwortung für Familie und Gesellschaft. Mann und Frau können sich keine Befehle erteilen, außer in religiösen Angelegenheiten. Außerdem tragen beide die Verpflichtung dazu, den jeweils anderen für religiöse Verfehlungen zurechtzuweisen. Außer dem Recht auf sexuelle Beziehung, auf die beide in gleicher Weise Rechtsanspruch haben, kann der Mann rechtlich von seiner Frau nichts verlangen, auch keinerlei Dienste. Die Frau hingegen darf für jede Dienstleistung - sogar für das Stillen ihrer Säuglinge - Geld verlangen. Im Falle einer Ehe, hat die Frau das Recht auf einen Ehevertrag. Des weiteren gesteht der Islam beiden Geschlechtern das Recht auf Scheidung zu.
 
Die Kopfbedeckung (Thema "Kopftuch") wird in nicht-Islamischen Kreisen als "Symbol der Unterdrückung" verstanden, wobei auch hier negative Erfahrungen aus der eigenen europäischen Kulturgeschichte auf den Islam übertragen werden . Vielmehr symbolisiert die Bedeckung der Scham im Islam, genau das Gegenteil dessen: Menschen (d.h. Frauen wie Männer) tragen in Extremzonen Kleidung, die sie vor Kälte oder vor Hitze und Staub schützen. Dies ist ein kulturelles Merkmal, das in vielen - auch nicht-Islamischen - Gesellschaften zu beobachten ist. Somit hat die Bedeckung des Körpers einen Schutzaspekt.
 
Vor der Zeit der Offenbarung des Koran hatten die Frauen in der arabischen Gesellschaft (eigentlich auch in anderen Gesellschaften) kaum Rechte. Z.B. durften Sklavinnen und Prostituierte keine Kopfbedeckung tragen, damit man sie als "rechtlose und unfreie Frauen" von den anderen unterscheiden konnte - obwohl das Tragen einer Kopfbedeckung im arabischen Kulturkreis üblich war. Als diese Frauen aber den Islam annahmen und zur Gemeinschaft der Muslime gehörten, hatten sie 1. Rechte (z.B. das Recht auf eine Brautgabe, das Recht, über alles in der Ehe erworbene zu verfügen (= Gütertrennung), das Recht zu Erben, das Recht auf Scheidung usw.), und 2. waren sie Frei (d.h. sie wurden von den Muslimen freigekauft und dienten somit allein Gott und nicht mehr irgendwelchen Herren). "Muslim" sein, bedeutet schließlich "gottergeben sein". Somit wurde die Kopfbedeckung zum "Symbol der Befreiung" aus der Sklaverei und der Prostitution, aber auch wieder zum "Symbol für den Schutz" (durch die muslimische Gemeinschaft).
 
Auf diesen Aspekt, nämlich die Frauen vor "Belästigungen" zu schützen, geht der Koran folgendermaßen ein: "O Prophet! Sprich zu deinen Frauen und deinen Töchtern und zu den Frauen der Gläubigen, sie sollen ihre Übergewänder über sich ziehen, damit sie erkannt und nicht belästigt werden." (33:59)
 
Und schließlich lesen wir im Koran: "O Kinder Adams. Wir gaben euch Kleidung, um eure Scham zu bedecken und zum Schmuck; doch das Kleid der Frömmigkeit ist das Beste."
 
Das eigentliche Ziel einer solchen Einführung in den Islam, sollte es sein, den Menschen - Muslimen wie Nichtmuslimen - einen Einblick in die Lehre dieser Religion zu verschaffen. Da es sich - wie bei den fünf Bedeutungsebenen - um sehr komplexe Phänomene handelt, die mit Islam in Verbindung gebracht werden, empfiehlt es sich, einer bestimmten Methode nachzugehen, an deren Anfang Gott steht, und nicht der "Fundamentalismus" oder irgend ein anderes Phänomen. Denn wenn man das Christentum erklären möchte, sollte man schließlich auch nicht mit den "Kreuzzügen" oder dem katholisch-protestantischen Krieg in Nordirland beginnen. Diese gehören nämlich in eine völlig andere Kategorie unserer Menschheitsgeschichte.
 
 
Allah, unser Schöpfer und Erhalter
Allah ist der arabische Name Gottes (zusammengesetzt aus dem arabischen Artikel Al- und ilah = Gott), wobei der Koran die Überzeugung vertritt, dass alle Gesandten und Propheten ein und denselben Gott verkünden. Allah ist identisch mit dem Gott der Thora und des Evangeliums: "Und sagt: "Wir glauben an das, was (als Offenbarung) zu uns, und was zu euch herabgesandt worden ist. Unser und euer Gott (ilah) ist einer. Ihm sind wir ergeben (muslimun)"". (29:46)
 
- Ist aber eine Beschreibung Gottes, d.h. eine Definition Seines Wesens (zat Allah) überhaupt möglich?
 
Im Koran heißt es: "Nichts ist Ihm gleich." (42:11). Er ist also weder Körper, noch Geist, weder räumlich noch zeitlich, weder sichtbar noch in Abbildungen erfassbar (transzendent).
 
Vom Propheten wird überliefert: "Gott sprach: Weder Himmel noch Erde umschließen Mich, aber das Herz Meines gläubigen Dieners umschließt mich."
 
In Sure 59:23-25 lesen wir:
"23 Er ist Gott, außer dem es keinen Gott gibt, der über das, was verborgen ist und das, was sichtbar ist, Bescheid weiß. Er ist der Gnädige, der Barmherzige. 24 Er ist Gott, außer dem es keinen Gott gibt, der König, der Heilige, der Eigner des Friedens, der Gewährer von Sicherheit, der Beschützer, der Mächtige, der Verbesserer, der Majestätische. Hoch erhaben ist Gott über all das, was sie (ihm an anderen Göttern) beigesellen. 25 Er ist Gott, der Schöpfer, der Bildner, der Gestalter. Sein sind die schönsten Namen. Alles, was in den Himmeln und was auf Erden ist, preist Ihn, und er ist der Mächtige, der Weise."
 
In Sure 112 steht:
"Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes.
1 Sag: Er ist Gott, ein Einziger, 2 Gott der Unabhängige und von allen Angeflehte. 3 Er hat weder gezeugt, noch ist Er gezeugt worden; 4 Und keiner ist Ihm gleich."
Seine Beziehung zu Seinen Geschöpfen (nicht nur zu den Menschen) können wir jedoch noch genauer definieren. Sie ist vor allem durch zwei Eigenschaften bestimmt: Der Barmherzigkeit (vgl. 6:12 und 6:54) und der daraus resultierenden Gerechtigkeit.
 
 
Zur Gott-Mensch und Mensch-Gott-Beziehung im Islam
Nicht selten haben nicht-muslimische Autoren versucht, ein starres Gottesbild im Islam zu zeichnen, demnach der Islamischen Gott als "Herrscher" und "Richter" auftritt. Die Muslime wurden dabei als "Sklaven" dieses Gottes dargestellt, unter dessen Willen sie sich zu unterwerfen hatten. Der Koran selbst, ist der beste Beweis für die Falschheit dieser unsachgemäßen Behauptung , denn Gott offenbart den Menschen Sein Wort, nicht Seinen "Willen"!
 
Der arabische Begriff "rabb" - eines der zentralen Bezeichnungen für die Beziehung Gottes zu den Menschen - (im Deutschen als "Herr" übersetzt) impliziert auch den Gedanken der Erziehung und Rechtleitung. Der Islam vertritt ein positives Menschenbild, wobei sowohl der Gedanke der "Erbsünde" als auch der Gedanke der "Erlösung" ihm fremd ist. Vielmehr ebnet sich jeder Muslim den Weg zum Heil selbst. Und: "Keine Seele trägt der anderen Last". (6:164)
 
 
Der Koran - Der Qur'an
Koran (auch Kalam Allah - "Wort Gottes") bedeutet "Lesung, das Vorgetragene". Er ist in arabischer Sprache geoffenbart und gilt als das authentische Wort Gottes (Verbalinspiration). Er enthält 114 Suren (Kapitel), über 6200 Verse und ist dem Propheten Muhammed ab 610 n.Chr., teils in Mekka (12½ Jahre), teils in Medina (10½), in einem Zeitraum von 23 Jahren offenbart worden.
 
Nach muslimischer Auffassung ist der Koran ein sprachlich und inhaltlich von Gottesgeschöpfen unerreichbares Wunder , das bei Gott auf einer "wohlverwahrten Tafel" ist . Seine Verse sind in Reimprosa.
 
Das koranische Selbstverständnis wird in Sure 3:7 deutlich: "Er (Gott) ist es, der dir das Buch herabgesandt hat. Darin sind eindeutige klare Verse - sie sind die Grundlage des Buches (umm al-Kitab) - und andere, die unterschiedlich zu deuten sind..."
 
Diese "unterschiedlich zu deutenden" Verse bieten nach Auffassung der Islamischen Gelehrten die Grundlage für die Weiterentwicklung des Islam in der Geschichte durch differenzierte Interpretationsmöglichkeiten.
 
 
a) Die beherrschenden Themen in Mekka
Zu den frühsten Themen gehören die Verse über den Weltuntergang und das Gottesgericht. Der Prophet selbst tritt auf als "Warner" der Menschen, "Rufer" zur Gerechtigkeit und "Überbringer" der Botschaft des einzigen, anbetungswürdigen Gottes , wobei er Anfangs als mursal und später als rasul vorkommt.
 
Auch das Thema der Barmherzigkeit Gottes (rahma) steht am Anfang der Offenbarungen. Im Zentrum steht jedoch der Aufruf zum Glauben an Allah, dem einen und einzigen Gott (= Monotheismus).
 
Der nächste Themenkomplex (in der dritten mekkanischen Periode) ist derjenige der Prophetengeschichten (qisas al-Anbiya), wobei der Prophet als ein Glied in einer Kette vorhergegangener Propheten gilt. Als "der letzte Prophet" kommt er erst in der Endphase der Offenbarung vor.
 
 
b) Die Hauptthemen in Medina
In Medina findet eine intensive Auseinandersetzung mit Juden und Christen statt, die als ahl al-Kitab (Leute der Schrift) und somit als Gläubige anerkannt werden. Außerdem gibt es konkrete Anweisungen zum Kultus (Beten, Fasten, Zakat, Hadsch usw.), so dass automatisch auch eine Abgrenzung zum Judentum und zum Christentum stattfindet.
 
Das inhaltliche Hauptgewicht des Offenbarungstextes (über 90%) liegt auf:
- Aufbau und Regeln der Gemeinschaft (ethische Werte);
- Gott und Seinen Eigenschaften;
- Propheten und historischen Gestalten (aus der semitischen Tradition);
- früheren heiligen Schriften und Offenbarungen sowie der gesamten Schöpfung: Welt, Himmel, Erde, Mitgeschöpfe, Naturerscheinungen, metaphysischen Wesenheiten wie Engel, Djinn u.a.;
- vergangenen Völkern und ihrer Geschichte.
 
Somit ist der Koran kein "Gesetzbuch", wie das von manchen Nichtmuslimen behauptet wird. Denn nur in weit geringerem Maße (ca. 6%) enthält der Koran Vorschriften (Gebote und Verbote ).
 
 
Der Prophet Muhammed
 
a) Seine Kindheit
Muhammed ibn Abdullah (geb. um 570 in Mekka) war das jüngste Mitglied einer Großfamilie der Sippe Haschim aus dem Stamm der Quraisch. Dieser Stamm war sehr angesehen und überregional bedeutsam, da er wichtige religiöse und gesellschaftliche Funktionen inne hatte. Muhammads Vater Abdullah war kurz vor dessen Geburt verstorben. Seine Mutter Amina starb als er sechs Jahre alt war, so dass er erst unter der Obhut seines Großvaters Abd al-Muttalib, dann, nach dessen Tod, bei seinem Onkel Abi Talib war.
 
Über seine Kindheit weiß man sehr wenig, so dass die Informationen in der Überlieferungsliteratur sehr lückenhaft sind.
 
 
b) Seine Jugendzeit
Eines geht aus den Quellen deutlich hervor, nämlich, dass er trotz des blühenden Götzendienstes in seiner Heimatstadt Mekka, das schon seit dem Propheten Abraham als religiöse Pilgerstätte gilt, kein Götzenanbeter war, sondern ein Hanif (Gottsucher) wie einst Abraham gewesen ist.
 
In der Obhut seines Onkels erlernte er den Beruf des Kaufmanns und später (mit ca. 25 Jahren) trug ihm die Geschäftsfrau Hadidja - für die er gearbeitet hatte - ihren Ehewunsch an. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne und vier Töchter hervor.
 
 
c) Sein Berufungserlebnis
Im Alter von ca. 40 Jahren hatte Muhammed in der Höhle vom Berg Hira (12 km nördlich von Mekka) um 610 sein erstes Berufungserlebnis, wo ihm nach koranischer Aussage der Erzengel Gabriel erschienen ist und die ersten fünf Verse der 96. Sure ("Der Embryo") vortrug: "1 Trag vor im Namen deines Herrn, der erschaffen hat, 2 den Menschen aus einem Embryo erschaffen hat! 3 Trag vor! Es ist dein höchst edelmütiger Herr, 4 der den Gebrauch des Schreibrohrs gelehrt hat, 5 den Menschen gelehrt hat, was er (vorher) nicht wusste."
 
Diese erste Zeit der Berufung, die noch weitere 12 Jahre in Mekka andauerte, ist geprägt durch die Auseinandersetzung mit denjenigen unter den Mekkanern, die über Ignoranz seiner Person und Boykott seiner Sippe, bis hin zu Mordversuchen, alles unternahmen, um Muhammed unschädlich zu machen. Schließlich kritisierte er die Vielgötterei und griff so direkt in den Bereich des Kultus ein.
 
Die mekkanische Zeit wird in drei Perioden eingeteilt: Die anfangs verdeckte und vorsichtige Verkündigung der Offenbarungen an den engsten Bekanntschaftskreis des Propheten (610 n. Chr.). Danach, die verbale Verkündigung an die gesamte mekkanische Öffentlichkeit (613), auf die eine, mit der Zeit zunehmende erst verbale dann physische Gewalt der Mekkaner folgte, die an den Göttern ihrer Vorfahren festhalten wollten. Durch die zunehmende Unterdrückung der ersten Muslime, wurden die schwächeren unter ihnen vom Propheten nach Abessinien geschickt, wo sie vom christlichen Negus Schutz erhielten (615). Dann fand im Jahre 622 die große Auswanderung aller Muslime (die Hidjra) von Mekka nach Yathrib (in das spätere Medina) statt.
 
 
d) Die Hidjra nach Medina
Als sein Onkel starb und er den Schutz seiner Sippe verlor, luden ihn die Stämme Hazradj und Aus - die sich zum Islam bekehrt hatten - nach Yathrib (Medina) ein, damit er dort als Stammesfremder (und unparteiischer) die Konflikte zwischen den verfeindeten Stämmen schlichte. Die mekkanischen Muslime entschlossen sich nach Jahren der Unterdrückung durch ihre polytheistischen Gegner, für die Auswanderung (Hidjra) nach Medina, wo sie im Jahre 622 von den medinensischen Ansar (arab. für "Helfer") empfangen wurden. Hier in Medina schloss der Prophet den "Gemeindevertrag von Medina ", wobei anfangs die Juden und Muslime eine "Umma )" (Gemeinschaft) bildeten - mit gleichen Rechten und mit gleichen Pflichten. Außerdem ist diese Zeit gekennzeichnet durch ständige Verteidigungskriege gegen die Mekkaner und ihre Verbündeten.
 
Die Zeit der Kriege endet mit der Kapitulation der Mekkaner und der unblutigen Einnahme Mekkas durch die Muslime im Jahre 630. Zwei Jahre später stirbt der Prophet in Medina, wo er beerdigt wurde.
 
Der Prophet gilt weder als "Mittler" zwischen den Menschen und Gott, noch als "Religionsstifter". Als solcher gilt nur Gott allein. Muhammed gilt aber als der letzte Rasul (Gesandter) Gottes und als das "Siegel der Propheten" (33:40). Er hinterließ den Menschen keine materiellen Güter, sondern den Koran und seine Sunna, und er trug ihnen auf, auf diese beiden besonders zu achten, wie es in einer Überlieferung heißt.
 
Laut einer anderen Überlieferung soll der Prophet die Muslime aufgefordert haben, den Koran und seine Nachkommen als Richtschnur zu nehmen, so dass sich kurz nach seinem Tod zwei Lager gebildet haben. Für die einen sollte der Kalif gewählt werden und für die anderen war automatisch Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten, der rechtmäßige Kalif. Somit bildete sich die Schia (d.h. "Anhängerschaft" Alis).
 
Abgesehen von der Frage des Kalifats gibt es zwischen Sunniten und Schiiten in religiöser Hinsicht nur wenig Differenzen (siehe zu den verschiedenen Schulen, die Tabelle im Anhang). Koran und Sunna sind für beide, die Primärquellen des Islam und gelten als Grundlage für den Glauben und die Handlungen der Muslime, wobei Glaube und Handlungen als unzertrennlich gelten.
 
 
Zur Islamischen Glaubenslehre
In der Islamischen Glaubenslehre (arab. aqida) sind sechs Glaubensartikel enthalten. Diese sind,
1. Der Glaube an Gott;
2. Der Glaube an die Engel;
3. Der Glaube an die von Gott geoffenbarten Schriften;
4. Der Glaube an die Gesandten Gottes;
5. Der Glaube an den Jüngsten Tag;
6. Der Glaube an al-Qadar.
"Es gibt keine Gottheit, außer (den einen) Gott"
 
1. Der Glaube (arab. iman ) an die Einheit und Einzigkeit Gottes stellt das Axiom für alle anderen Glaubensinhalte dar. Im Koran lesen wir: "Ihr Gläubigen! Glaubt an Gott und Seinen Gesandten und die Schrift, die er auf Seinen Gesandten herabgesandt hat, und an die Schrift, die er früher herabgesandt hat! Wer an Gott, Seine Engel, Seine Schriften, Seine Gesandten und den Jüngsten Tag nicht glaubt, ist weit abgeirrt." (4:136)
 
2. Muslime glauben an die Existenz von Engeln, die im Koran sowie in der Sunna erwähnt werden. Z.B. gilt der Erzengel Gabriel als Überbringer der Offenbarungen Gottes an die Gesandten.
 
3. Ebenso glauben Muslime an alle geoffenbarten Schriften Gottes an die Gesandten (also auch die Thora und das Evangelium), die diese zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten erhalten haben. Der Glaube an den Koran beinhaltet, dass der Koran die abschließende Offenbarung Gottes ist, nach der bis zum Jüngsten Gericht keine weitere mehr folgen wird.
 
4. Muslime glauben an alle Gesandten Gottes sowie an alle Aussagen, die im Koran und in der Sunna über sie enthalten sind. So wie der Koran die letzte Offenbarung Gottes darstellt, gilt auch der Prophet MuÀammad als "das Siegel der Propheten", nach dem keiner mehr folgen wird.
 
5. Der Glaube an den Jüngsten Tag beinhaltet den Glauben an die Auferstehung, das Jüngste Gericht, das Paradies und die Hölle und an alle Aussagen, die in Koran und Sunna darüber enthalten sind.
 
6. Der Glaube an die Vorhersehung beinhaltet Gottes Vorauswissen über alles Zukünftige und dessen Verwirklichung bei gleichzeitiger Willens- und Handlungsfreiheit des Menschen. Damit ist kein Fatalismus gemeint.
 
In einem Hadith des Propheten heißt es: "Islam ist, dass du bezeugst, dass es keine Gottheit außer (den einen) Gott gibt, und das Muhammed der Gesandte Gottes ist; und dass du das Gebet verrichtest, die Zakat entrichtest, im Ramadan fastest und zum Haus (Gottes) pilgerst... Und iman ist, dass du den Glauben an Gott, an Seine Engel, an Seine Schriften, an Seine Gesandten und an den Jüngsten Tag verinnerlichst, und das du den Glauben an al-Qadar - sein Gutes und sein Schlechtes - verinnerlichst."
 
 
Zur Islamischen Pflichtenlehre
Für die Erfüllung der von Gott aufgetragenen Pflichten gilt der Grundsatz, dass alles erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist. Gott erlegt den Menschen nichts auf, was sie nicht zu tragen vermögen . Außerdem müssen zur Erfüllung der Pflichten, Bedingungen erfüllt werden. Wenn diese nicht erfüllt werden können, haben die Muslime die Möglichkeit, Ausnahmeregelungen zu befolgen. Dies haben die Muslime der flexiblen Islamischen Rechtswissenschaft (fiqh) zu verdanken, in der die wichtigsten Grundlagen für das Leben der Muslime, bereits seit dem 8. Jh. geklärt wurden (siehe im Anhang die Tabelle zu den verschiedenen Rechtsschulen).
 
 
Die "Fünf Säulen des Islam"
Jeder, der sich mit dem Islam beschäftigt hat, hat sicherlich von den "Fünf Säulen des Islam" gehört:
 
1. Das Glaubenszeugnis (Schahada), dass es keine andere Gottheit gibt außer Allah und dass Muhammed der Gesandte Gottes ist;
2. Das fünfmalige Gebet am Tag (as-salat);
3. Die jährliche Pflichtabgabe (Zakat) der Wohlhabenden an die Bedürftigen;
4. Das Fasten (eigentlich "das sich Enthalten") im Monat Ramadan (saum);
5. Die Pilgerfahrt (Hadsch) nach Mekka, die jeder Muslim einmal im Leben unternehmen muss, sobald es die finanziellen und gesundheitlichen Umstände erlauben.
 
 
1. Zum Glaubenszeugnis:
"Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer (den einen) Gott und ich bezeuge, dass Muhammed sein Diener und Gesandter ist".
 
Ein wahrer Gläubiger ist jemand, der dies sowohl mit seiner Zunge bezeugt, als auch mit seinem Herzen und seinen Taten bestätigt. Unter Zwang darf und kann niemand Muslim werden.
 
Das arabische Wort "aschhadu" bedeutet: "Ich bezeuge!" und leitet sich ab von der Wortwurzel "schahida" ("Zeuge zu sein, anwesend sein"); "schahada" ("Zeugnis ablegen, eine Zeugenaussage machen"); und schließlich im III. Stamm "schaahada" ("sehen, beobachten"). Dass heißt also, dass ein Muslim weiß, woran er glaubt und was er bezeugt. Der Glaube, findet hier also nicht als "Spekulation" oder "Vermutung", sondern als ein bewusster Vorgang statt.
 
 
2. Zum Gebet:
Laut Koran und Sunna ist es für alle volljährigen und geistig gesunden Muslime Pflicht, fünfmal täglich zu beten. Dabei werden die Gebetszeiten eingeteilt in "Gebet der Morgendämmerung, Mittagsgebet, Nachmittagsgebet, Abendgebet und Nachtgebet".
 
"Und verrichtet das Gebet, gebt die Zakat und nehmt (beim Gottesdienst) an der Verneigung teil!" (2:43)
 
"Ich bin Gott. Es gibt keinen Gott außer mir. Darum diene mir und verrichte, meiner (in Ehrfurcht) gedenkend, das Gebet!" (20:14)
 
Alle Gebete finden in arabischer Sprache statt. Außer diesem rituellen Gebet gibt es auch im Islam das Bittgebet (arab. dua), das jeder in seiner jeweiligen Muttersprache machen kann.
 
Zur Bedeutung des Gebets sagt der Prophet, dass es der Stützpfeiler der Religion ist. Wer immer es einhält, hält seine Religion aufrecht, und wer immer es nachlässt, lässt seine Religion einstürzen.
 
Es besteht jederzeit die Möglichkeit, einem solchen Gebet in einer Moschee vor Ort zuzusehen und den Muslimen direkt Fragen dazu zu stellen. Das Gebet beinhaltet Danksagungen und Lobpreisungen und dient dazu, zu allen Tageszeiten mit unserem Schöpfer und Erhalter in Kontakt zu treten.
 
 
3. Zum Fasten im Monat Ramadan:
Die Grundeinheit des Islamischen Jahres ist ein "Mondjahr". Es besteht aus zwölf Monaten mit abwechselnd 30 und 29 Tagen. Die Dauer eines Mondjahres beträgt ca. 354 Tage. Der Islamische Kalender beginnt mit dem 16. Juli des "Sonnenjahres" 622 n. Chr., dem Jahr der Auswanderung (Hidjra) der Muslime von Mekka nach Medina.
 
Die Namen der zwölf Monate lauten:
1. al-Muharram (30)
2. Safar (29)
3. Rabi al-Awwal (30)
4. Rabi as-Sani (29)
5. Djumada al-Awwal (30)
6. Djumada al-Akhira (29)
7. Radjab (30)
8. Schaban (29)
9. Ramadan (30)
10. Schawwal (29)
11. zul-Qada (30)
12. zul-Hiddja (29 und 30 Tage in Schaltjahren)
 
In Sure 2:183-185 heißt es: 183 "O ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht werdet ihr (Gott gegenüber) ehrfürchtig sein. 184 Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten). Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es (nur) wüsstet! 185 Der Monat Ramadan ist es, in dem der Koran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also in dem Monat zugegen ist von euch, der soll in ihm fasten...Gott will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen, damit ihr die Frist vollendet und Gott rühmt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein."
 
Alle erwachsenen und gesunden Muslime müssen von Beginn der Morgendämmerung bis Sonnenuntergang fasten. Ausgenommen sind jene, die an Altersschwäche leiden, krank sind oder Reisende sowie schwangere und stillende Frauen, Wöchnerinnen und Frauen, die ihre Monatsperiode haben. Diese sind zur Erleichterung von der Fastenpflicht befreit, sollen dies jedoch zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.
 
Das deutsche Wort "Fasten" trifft nicht genau auf das zu, was mit "saum" gemeint ist. Der arabische Begriff meint vielmehr eine Enthaltsamkeit, wobei der Verzicht auf Speisen und Getränke nicht das Ziel, sondern vielmehr das Mittel zum Zweck ist. Man soll in dieser Zeit seinen eigenen Körper kennen lernen und auch lernen Mitgefühl mit denjenigen zu empfinden, die wirklichen Hunger leiden. Außerdem lernt man was Ausdauer, Selbstbeherrschung, Enthaltsamkeit, Genügsamkeit und Geduld ist.
 
Am Ende des Monats findet das "Fest des Fastenbrechens" statt. Die beiden Hauptfeste des Jahres sind a) das Opferfest (eid al-Adha), auch als "das große Fest" (al-eid al-Kabir) bezeichnet und b) das Fest des Fastenbrechens (eid al-Fitr), auch als "das kleine Fest" bezeichnet (al-eid as-Sagir). Die Bezeichnung "Scheker Bairame" ist nur unter türkischen Muslimen bekannt. Bosnische Muslime sprechen vom "Ramazan bayrami".
 
 
4. Zur Zakat:
Zakat ist die jährliche soziale Pflichtabgabe der Wohlhabenden an die Bedürftigen: "...Und die Spenden sind nur für die Armen und die Bedürftigen, (ferner für) diejenigen, die damit zu tun haben, diejenigen, deren Herzen gewonnen werden sollen, für den Loskauf von Sklaven, für die, die verschuldet sind, für die Sache Gottes und für den, der Unterwegs ist: eine Vorschrift von Gott. Gott weiß Bescheid und ist weise." (9:58-60)
 
Die Summe, von der Zak¢t gegeben wird, beträgt 2,5% des jährlichen "Überschusses". Man unterscheidet bei der Zak¢t zwischen den äußeren Gütern (Feldfrüchten, Früchten und Vieh) und den inneren Gütern (Edelmetalle wie Gold und Silber und Kaufmannsware): Dies sind die Vermögensbestandteile aus denen die Zakat bezahlt wird. Die äußeren Güter sind sofort nach der Ernte zu bezahlen und die inneren Güter nachdem sie ununterbrochen in einjährigem Besitz liegengeblieben sind. Zakat wird häufig fälschlicherweise als "Almosen" bezeichnet.
 
Es gibt zwar keine Institution, die den Zahlungsprozess kontrolliert, da jeder selbst für die Berechnung der Summe seiner Pflichtabgabe verantwortlich ist. Nicht selten wird die Zakat an Moscheen übergeben, die diese dann an die Bedürftigen weiterleiten.
 
Der eigentliche Gedanke, der hier zugrunde liegt, ist der, dass im Grunde alles was der Mensch besitzt, ein ihm von Gott anvertrautes Gut ist und der Mensch sich nur soviel davon nehmen darf, wie viel er zum Leben braucht. Der Prophet bezeichnet deswegen "Genügsamkeit" als den wahren Reichtum. Den Überschuss sollen die Wohlhabenden zur Herstellung der sozialen Gerechtigkeit abgeben um sich von den "Schulden" den Bedürftigen gegenüber zu "reinigen". Das Wort Zakat trägt unter anderem auch die Bedeutung von "Gerechtigkeit" und "Reinheit".
 
 
5. Zur Hadsch:
Die Stadt Mekka und in ihr die Kaaba (arab. für "Würfel") symbolisieren das Herz der muslimischen Welt. Die Kaaba gilt als das erste Gotteshaus (Moschee), das je erbaut wurde: "...Das erste (Gottes)haus, das den Menschen aufgestellt worden ist, ist dasjenige in Bakka (d.h. Mekka), zum Segen und zur Rechtleitung für die Menschen in aller Welt." (3:95-96).
 
Im 8. Jahr nach der Hidjra (630 n.Chr.) wurde Mekka kampflos zurückerobert und der Prophet beseitigte alle in der Kaaba befindlichen (insgesamt 360) Götzen.
 
Die Pilgerfahrt wurde im 9. Jahr der Hidjra allen Muslimen einmal im Leben zur Pflicht gemacht: "Die Pilgerfahrt findet in den bekannten Monaten statt . Und wenn jemand in ihnen die Pilgerfahrt auf sich nimmt (tritt in den Weihezustand ein:) Während der Pilgerfahrt keine sinnliche Begierde, keinen Frevel noch irgendein Streit. Was ihr an Gutem tut, Gott weiß es. Und verseht euch mit der Zehrung; aber wahrlich, die beste Zehrung ist Rechtschaffenheit. Fürchtet Mich, die ihr Verstand habt!"(2:197)
 
Sie ist Pflicht für die,
- die volljährig sind;
- die (sowohl geistig, als auch körperlich) gesund sind;
- die frei sind;
- die über genügend eigene Mittel verfügen, keine Schulden haben und die, deren Existenz nicht bedroht ist.
 
Während der Hadsch kommen jährlich mehr als 2 Mio. Muslime an einem Ort zusammen, so dass dieses Ereignis, das größte aller gemeinschaftlichen Ereignisse im Leben eines Muslims ist.
 
Während der Hadsch, die mehrere Wochen dauern kann, muss man folgende Pflichten erfüllen:
 
a) Äußerung des Wunsches die Hadsch durchführen zu wollen;
b) vor dem Betreten der heiligen Stätten, körperliche Reinigung und das Anlegen der Ihram-Kleidung, die meist aus zwei weißen Stoffteilen besteht;
c) die siebenmalige Umkreisung der heiligen Moschee (Kaaba) gegen den Uhrzeigersinn ;
d) Wanderung nach Mina, um (symbolisch) den kleinen, mittleren und großen Satan zu steinigen;
e) beten und rasten am Arafat-Hügel (29 km südöstlich von Mekka), am 9. zul-Hiddja, wo sich - laut Überlieferung - Adam und Eva wiederfanden;
f) die Wanderung (7 mal) zwischen den Orten Safa und Marwa;
g) das Schlachten von Opfertieren und vieles andere mehr.
 
In einer Überlieferung heißt es: "Wer die Hadsch ohne böse Taten durchführt, wird zurückkommen wie ein neugeborenes Kind". D.h., dass die Hadsch uns von unseren Sünden reinwäscht. In einer anderen Überlieferung heißt es: "...Es gibt keine andere Belohnung für eine (von Gott) angenommene Hadsch, als das Paradies". Der Prophet bezeichnet die Hadsch sogar als den wertvollsten Djihad: "Der wertvollste Djihad ist eine Hadsch, die von Gott angenommen wird."
 
Auf diesen oben genannten fünf Säulen ist der Islam aufgebaut und dies sind die wichtigsten Pflichten, die alle volljährigen und geistig gesunden Muslime erfüllen müssen.
 
In der Pflichtenlehre unterscheidet man jedoch zwischen zwei Pflichtebenen: Die eine Ebene ist die zwischen Gott und den Menschen (ibadat), zu denen die "fünf Säulen" gehören, und die andere ist die der zwischenmenschlichen Beziehungen (muamalat ). Diese werden aber nicht voneinander getrennt, auch wenn sie unterschieden werden.
 
Dazu ein Beispiel:
Wie unter "Zakat" zu lesen ist, haben wohlhabende Muslime die Pflicht von ihrem Vermögen an Bedürftige abzugeben, weil diese ein Anrecht auf den Gütern der Wohlhabenden haben, weswegen es für diese eine "Pflicht" ist, etwas davon abzugeben. Indem der Wohlhabende etwas abgibt, erfüllt er nicht nur den Menschen gegenüber seine Pflicht - wodurch ein soziales Gleichgewicht in der Gesellschaft erreicht werden soll - er erfüllt sie auch Gott gegenüber, so dass er entweder im irdischen oder im jenseitigem Leben, seinen Lohn dafür erwarten kann.
 
Man muss wissen, dass alles was im Islam eine Pflicht ist, zugleich auch ein Recht ist (s.o. unter Din). Denn das arabische Wort für "Recht" (haqq) bedeutet auch zugleich "Pflicht": Ein Kind hat das Recht auf Pflege, Ernährung und religiöse Unterweisung durch seine Eltern. Und andersherum haben die Eltern die Pflicht ihre Kinder zu pflegen, zu ernähren und sie in ihrer Religion zu unterweisen. Deswegen wird von Muslimen zu den Menschenrechten auch die Pflichten der Menschen gefordert.
 
 
Schlusswort
In dieser Einführung in den Islam war beabsichtigt worden, den Lesern ein differenziertes Bild von dem zu vermitteln, was in den Medien von meist nicht-muslimischen Autoren und Journalisten, als "typisch Islamisch" dargestellt, bzw. mit Islam betitelt wird. Viele Phänomene, wie z.B. der "Fundamentalismus" haben bestimmte Ursachen. Diese immer gleich mit Islam in Verbindung zu setzen, und den Islam als etwas gefährliches und die Muslime als rückständig darzustellen, verletzt die Würde der Muslime. Denn für uns Muslime ist der Islam eine Offenbarung des barmherzigen und gnädigen Gottes und bedeutet "Frieden".
 
In Deutschland leben derzeit mehr als 3 Mio. Muslime aus insgesamt 42 verschiedenen Nationen, darunter über 100.000 Muslime deutscher Abstammung. Von ihnen geht keine Gefahr für die Mehrheitsgesellschaft aus. Im Gegenteil; sie befinden sich in der Minderheit und laufen Gefahr, assimiliert zu werden. Da sie bereits seit knapp 40 Jahren hier leben, werden sie sogar ihren Herkunftsländern entfremdet.
 
Für eine bessere und friedliche Koexistenz mit der Mehrheitsgesellschaft sind auf beiden Seiten seriöse Integrationsbestrebungen von Nöten. Der beste Weg zur Akzeptanz auch fremder Traditionen in einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft, ist die gegenseitige Toleranz.
 
Alle Ziele setzen jedoch "Wissen" voraus. Denn das gegenseitige Kennenlernen verleiht ein Gefühl der Sicherheit, wogegen Unwissen, der beste Nährboden für Ängste, Vorurteile und Hass ist.
 
Das beste Mittel ist der Dialog, und zwar ein Dialog der zwischen den Menschen stattfindet; am Arbeitsplatz, im Sportverein, aber vor allem in der Schule und in den Gebetsstätten der Religionen.
 
Eine "Mission" ist dem Islam fremd. Vielmehr heißt es im Koran: "Es gibt keinen Zwang im Glauben!" (2:256) und der Koran ruft uns dazu auf: "Und streitet mit den Leuten der Schrift nie anders als auf eine bessere Art - mit Ausnahme derer von ihnen, die Frevler sind! Und sagt: "Wir glauben an das was zu uns, und was zu euch herabgesandt worden ist. Unser und euer Gott ist einer. Ihm sind wir ergeben." (29:46)
 
Gemeinsamkeiten zu suchen, die uns das Leben miteinander erleichtern und nicht nur auf die Unterschiede zu zeigen - wobei es auch diese geben muss - darauf kommt es an. Im Koran werden diese sogar als ein Zeichen Gottes positiv gewertet: "Und unter seinen Zeichen ist die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben. Hierin sind wahrlich Zeichen für die Wissenden" (30:23) Die Verschiedenheit der Sprachen und Kulturen, als auch die der Religionen, die Gott den Menschen offenbart hat, bieten Chancen der Ergänzung, der Kooperation und Solidarität: "Ihr Menschen! Wir haben euch von Mann und Weib erschaffen, und wir haben euch zu Völkern und zu Stämmen gemacht, damit ihr euch untereinander kennt. Als der Angesehenste ist bei Gott derjenige von euch, der am gottesfürchtigsten ist..." (49:13). Wir leben in der einen Welt als eine Menschheit, deren Menschlichkeit wir zu verwirklichen haben. Als Weg (arab. Scharia ) haben wir für uns den Islam gewählt.
 
Zeittafel (frühIslamische Zeit) und Tabellen
570 Geburt des Propheten MuÀammad in Mekka
610 Erstes Berufungserlebnis in der Höhle des Berges Hira
622 Auswanderung nach Medina und Gründung der Umma. (Beginn der muslimischen Zeitrechnung ).
630 Eroberung Mekkas durch die Muslime
632 Tod des Propheten in Medina
632 Wahl Abu Bakrs zum ersten Kalifen (Stellvertreter des Propheten)
634 Umar ibn al-Khattab wird zweiter Kalif
644 Osman ibn Affan wird zum dritten Kalif gewählt
653 Redaktion des Korantextes
656 Ali ibn Abi Talib (Vetter und Schwiegersohn des Propheten) wird vierter Kalif
661 Ermordung Alis und Etablierung der Umayyaden Dynastie
750 Ablösung der Umayyaden durch die Dynastie der Abbasiden (750-1258)
 
 
Etablierung der Rechtsschulen
Die Schulen der Sunna:
Hanafiten (nach Abu Hanifa, gest. 767)
Malikiten (nach Malik ibn Anas, gest.795)
Schafiiten (nach asch-Schafii, gest. 820)
Hanbaliten (nach Ahmad ibn Hanbal, gest. 855)
 
Die Schulen der Schia:
Zaiditen (nach Zaid ibn Ali, gest. 740), auch als 5er Schia bekannt.
Ismailiten (nach Ismail ibn Djafar as-Sadiq), auch als 7er Schia bekannt
Imamiten (nach dem 6. Imam Djafar as-Sadiq, gest. 765), auch Djafariten oder 12er Schia genannt
 
 
Etablierung der Kalam-Richtungen (Glaubensschulen)
Murdjia: von Hasan ibn Muhammed al-Hanafiya (719) gegründet
Mutazila: von Wail ibn Ata (699-748) im Dialog mit der Murdjia gegründet.
Aschariya: von al-Aschari (837-935) gegründet (entstand in der Zeit der Abbasiden Dynastie)
Maturidiya: von Maturidi (gest. 944) gegründet
 
 
Adressen wichtiger Islamischer Zentren und Dachverbände in Deutschland (sortiert nach Städten
Es gibt schätzungsweise über 2000 Gebetsstätten in Deutschland, wobei die meisten von ihnen nicht als solche erkennbar sind. In der Regel werden Wohngebäude oder Gewerberäume angemietet und zu Moscheen umfunktioniert. Zur Zeit gibt es in Deutschland knapp 66 Moscheen, die der Islamischen Architektur nachempfunden wurden (mit Kuppel und Minarett). Die ältesten Moscheen befinden sich in Potsdam (1739), Schwetzingen (1783), Weimar (1813) und Berlin (1900).
 
Viele Moscheen verstehen sich als Islamische Kulturzentren, in denen nicht nur das fünfmalige Gebet an den Tagen verrichtet wird, sondern auch Koranunterweisung für Kinder und Erwachsene stattfindet, Beerdigungen durchgeführt, religiöse Ehen geschlossen, Islamisch geschächtetes Halal-Fleisch angeboten, die Pilgerfahrt nach Mekka organisiert und ein Informationsaustausch stattfindet. In diesen Zentren finden also auch soziale Dienstleistungen statt, die für die Integration, Identitätsbildung und Sozialisation der Muslime in Deutschland sehr wichtig sind.
 
Es empfiehlt sich, bei Fragen, an die unten angegebenen Adressen vor Ort zu wenden. Z.B. können Informationen zur Geschichte des Islam in Deutschland vom Islam-Archiv-Deutschland in Soest bezogen werden.
 
Aachen:
- Islamisches Zentrum Aachen, Professor-Pirlet-Str. 20, 52074 Aachen
Berlin:
- Deutsche Muslim-Liga, Pillnitzer Weg 24, 13593 Berlin
- Islamische Föderation Berlin, Boppstr. 4, 10967 Berlin
Bonn:
- HUDA-Netzwerk für Muslimische Frauen, Postfach 200710, 53137 Bonn
- Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland, Adenauerallee 13, 53111 Bonn
Frankfurt am Main:
- Islamische Religionsgemeinschaft Hessen, Moselstr. 45, 60329 Frankfurt am Main
Hamburg:
- Aksa Camii (DITIB), Borstelmannsweg 68, 20537 Hamburg
- Islamisches Kulturzentrum (VIKZ), Ulu Camii, Bahrenfelderstr. 92, 22765 Hamburg
- Islamisches Zentrum Hamburg, Imam Ali Moschee, Schöne Aussicht 36, 22085 Hamburg
- Merkez Camii (BIG), Böckmannstr. 40, 20099 Hamburg
Köln:
- Institut für Internationale Pädagogik und Didaktik, Dollendorfer Str. 6, 50939 Köln
- Islamische Gemeinschaft Milli Görüsch, Merheimer Str. 229, 50733 Köln
- Verband Islamischer Kulturzentren, Vogelsangerstr. 290, 50825 Köln
- Zentralrat der Muslime in Deutschland, Vogelsangerstr. 290, 50825 Köln
Lützelbach:
- Haus des Islam, Schillerstr. 46, 64750 Lützelbach
München:
- Islamisches Zentrum München, Wallnerstr. 1, 80939 München
Soest:
- Zentral-Institut Islam-Archiv-Deutschland, Am Kuhfuß 8, 59494 Soest-Deiringsen
 
 
 
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